Die Schlammlawine in Sierra Leone

… eine in Deutschland wenig beachtete Katastrophe.

Im Schlaf überrascht

Am 14. August wurde der westafrikanische Staat Sierra Leone von einer Katastrophe erschüttert: Nach starken Regenfällen riss in der Hauptstadt des Landes, Freetown, ein Teil eines Hügels ab. Die daraus resultierende Schlammlawine rauschte über die Stadt hinweg und begrub am frühen Morgen hunderte Häuser und die darin lebenden Menschen unter sich.  Genaue Opferzahlen sind weiterhin nicht bekannt. Schätzungen zufolge wurden jedoch über 1.000 Kinder, Männer und Frauen in den Tod gerissen. Tausende weitere Bewohner verloren durch die massive Zerstörung ihr Zuhause. Zahlreiche weitere Personen werden noch unter den Schlamm- und Geröllschichten vermutet. Es besteht jedoch wenig Hoffnung, noch Überlebende darin zu finden.

Der Regen hört nicht auf

Die Schäden des Erdrutsches waren noch nicht ansatzweise behoben, als nur zwei Wochen später das nächste Unglück folgte: weitere, sehr starke Regenfälle beschädigten erneut Behausungen in und rund um Freetown und forderten weitere Opfer. Überlebende mussten sich auf ihre Hausdächer retten und beobachteten, wie Hab und Gut von den Fluten davon geschwemmt wurde.

Satellite imagery shows a mudslide triggered by rains that wiped out part of a neighborhood in Freetown, Sierra Leone. (DigitalGlobe via AP)

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Abholzung hat Schlammlawine begünstigt

Die Stadt Freetown liegt auf einer Halbinsel neben einer Flussmündung und wird vor allem während der Regenzeit zwischen Mai und November häufig von starken Regenfällen und daraus folgenden Überschwemmungen heimgesucht. Besonders die Armenviertel, die fast auf Höhe des Meeresspiegels liegen, sind den Wassermassen schutzlos ausgeliefert. Rund um Freetown wurden zudem viele Bäume – zum Beispiel für den Bau von Hütten – abgeholzt. Dies ist problematisch, da die Wurzeln den Böden zuvor Stabilität verliehen hatten. Zudem liegt Sierra Leone in einer Risikozone, in der die Folgen des Klimawandels mit extremen Wetterphänomenen spürbar werden.

Die nächste Katastrophe nach Ebola

Sierra Leone wurde erst vor wenigen Jahren von einer verheerenden Ebola- Epidemie heimgesucht, die vielen Menschen das Leben kostete. Den letzten bekannten Fall gab es im Frühjahr 2016. Nun droht erneut Gefahr durch andere Krankheiten: Die Verbreitung von Krankheiten wie der Cholera wird durch unzureichende Sanitäranlagen und verseuchtes Trinkwasser extrem begünstigt. Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen ist in Sierra Leone ohnehin desolat. Durch die Zerstörung von vielen Behausungen spannt sich die Lage weiter an. Leichen, welche nicht geborgen werden können, begünstigen ebenfalls die Ausbreitung von Seuchen und gefährlichen Keimen.

Bystanders look on as floodwaters rage past a damaged building in an area of Freetown on Aug. 14 after landslides struck the Sierra Leone capital. (Saidu Bah/AFP/Getty Images)

Satellite imagery shows a mudslide triggered by rains that wiped out part of a neighborhood in Freetown, Sierra Leone. (DigitalGlobe via AP)

Hilfe ist schwierig

Die internationale Hilfe kommt nur schleppend voran: wegen der ohnehin schlechten Infrastruktur und vielen unasphaltierten Straßen sind die Wege zu Betroffenen teils unpassierbar. Menschen müssen lange auf Hilfe warten und dort verharren, wohin sie sich retten konnten. Hilfsorganisationen wie “Ärzte ohne Grenzen” und das Militär versuchen Hilfsgüter in die betroffenen Regionen zu bringen und eine Versorgung mit sauberem Wasser zu gewährleisten. Doch auch das gestaltet sich angesichts der Schlamm- und Wassermassen als schwierig. Die Suche nach Verletzten und Verschütteten wird durch unwegsames Gelände und die hohe Gefährdung für die Einsatzkräfte zusätzlich erschwert. Es mangelt den heimatlosen Menschen neben sauberem Trinkwasser vor allem an Unterkünften, Kleidung und Nahrung.

 

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