UGV

Ein innovatives Modell macht Aus- und Weiterbildung für alle finanzierbar

Ein Projekt zur Finanzierung von Studium und Ausbildung, das sich selber trägt?!

Klingt erstmal nicht nach Entwicklungsarbeit. Beim Umgekehrten Generationenvertrag verpflichten sich die Stipendiat*innen, nach dem Abschluss der Ausbildung der nächsten Generation von Auszubildenden ein Studium oder eine Ausbildung zu finanzieren.

Ein Vertrag zwischen Generationen klingt nach einem starren Modell. Tatsächlich ist es aber genau das Gegenteil! Denn die Rückzahlungen werden prozentual am Einkommen bemessen und sind somit sozial verträglich. Kein Einkommen? Keine Zahlungen! Und keine Gefahr für den Menschen. Verfügt ein*e Absolvent*in hingegen über ein regelmäßiges Einkommen, werden regelmäßige Rückzahlungen geleistet. Damit wird die nächste Generation von Studierenden finanziert.

Bei der kniffeligen Umsetzung dieses revolutionären Projekts kooperieren wir mit der Chancen e.G.. Ursprünglich stammt das Modell des UGV von der Universität Witten/Herdecke. Hier führt die Studierendengesellschaft e.V. dieses Finanzierungsmodell seit über 20 Jahren erfolgreich durch. Und das mit Finanzmitteln von über 7,5 Millionen Euro jährlich. Aus dieser Gesellschaft heraus gründete sich später die Chancen e.G.. Diese setzt seit 2015 den UGV erfolgreich an diversen Universitäten in Deutschland um. Genau wie L’appel sieht die Chancen e.G. in diesem Konzept ein gewaltiges Potential für entwicklungsschwache Länder.

Die drei Freiheiten

Dem Konzept des UGV liegen drei unumstößliche Freiheiten zu Grunde, an denen wir auch bei der Umsetzung in unserern Zielländern nicht rütteln wollten. Denn nur auf Basis dieser drei Freiheiten kann das Modell seine nachhaltige Wirkung entfalten.

Der Ausbildungsweg kann unabhängig von dem finanziellen Hintergrund frei nach Interesse, Neigung und Motivation gewählt werden.

Nach dem Studium unterliegen die Absolvent*innen keiner fixen Schuldenlast, sondern zahlen einen prozentualen Anteil ihres Einkommens zurück. Sie können ihr Berufsleben selbstbestimmt und ohne finanziellen Druck gestalten.

Nach dem Abschluss tragen die finanziell besser Gestellten die weniger gut Verdienenden mit. So ermöglichen die Studierenden gemeinsam mit den Investoren und Hochschulen den Umgekehrten Generationenvertrag – für ihre eigene und für die nächste Generation.

Lernt hier eine paar der ehemaligen Stipendiat*innen kennen!

Dan lernten wir über die Jahre gut kennen, da er neben der Uni in einer der Unterkünfte arbeitete in denen wir während der Projektreisen nach Ruanda immer unterkamen. Dan hat inzwischen sein Business Studium erfolgreich abgeschlossen und führt ein zufriedenes Leben in Kigali.

Dan lernten wir über die Jahre gut kennen, da er neben der Uni in einer der Unterkünfte arbeitete in denen wir während der Projektreisen nach Ruanda immer unterkamen. Dan hat inzwischen sein Business Studium erfolgreich abgeschlossen und führt ein zufriedenes Leben in Kigali.

Jean Paul war unser erster "echter" Stipendiat. Uns verbindet eine tiefe Freundschaft. Inzwischen ist er erfolgreicher Elektriker, baut an den großen Hochspannungsleitungen des Landes mit, ist grade Vater geworden und baut seiner Familie ein Haus vor den Toren Kigalis, Ruandas Hauptstadt. Wenn wir in Ruanda sind ist Jean Paul fast immer dabei und versucht sich einzubringen - er will etwas zurück geben.

Adelitte , 20, aus Gaseke, Ngororero

Donat Ngabo, 20, aus Gaseke

Ivette 18, aus Byumba

Sam Nzebani, 22, aus Kigali

10 Näherinnen bekamen 2014 eine Ausbildung in Kiruhura finanziert. Heute arbeiten sie selbstständig in der Region und können ihre Familien versorgen. 2015 gab es sogar eine zweite "Klasse" aus 10 weiteren Frauen.

Auch in Sierra Leone, hier vor der University of Makeni (UniMak), versuchen wir den UGV als Stipendienprogramm zu etablieren. Wir sind auf einem guten Weg, aber es liegen noch viele Hürden vor uns.

Welche Vorteile hat der UGV gegenüber einem Studienkredit?

In der wissenschaftlichen Diskussion, die sich um den UGV dreht, werden dem Modell folgende Vorteile gegenüber regulären Studienkrediten zugesprochen:

Der UGV gleicht die Interessen des Investierenden und des Studierenden aneinander an. Sie lernen voneinander und haben ein Interesse am gegenseitigen Erfolg. Denn die Investoren erhalten den „Lohn“, wenn die Studierenden nach Abschluss erfolgreich sind. Das Geld fließt zurück in den Topf.

Der UGV erlaubt die größte finanzielle Freiheit. Er macht explizit nicht abhängig, da die Rückzahlung vom Einkommen abhängt und nicht wie üblich starr geregelt ist.

Der UGV transferiert das Risiko (des Scheiterns) vom Individuum hin zur Solidargemeinschaft beziehungsweise zu Investoren Ein Ausfallrisiko für Studierende besteht zu keinem Zeitpunkt.

Durch den UGV verschwinden Komplett-Ausfälle der Rückzahlung. Wenn das Einkommen gering ist, wird wenig zurückgezahlt. Aber es wird dennoch ein Beitrag zur Solidargemeinschaft geleistet. Die üblichen Kreditabbrüche gehören damit der Vergangenheit an.

Der UGV legt als alternatives Kreditmodell den Grundstein für Fairness und Gleichheit. Subventionen beziehungsweise “Hilfszahlungen” erfolgen nämlich nicht im Voraus. Das würde zu Bevorteilung führen. Im Gegenteil erhalten jene, die auch nach dem Studium bedürftig sind und über kein gesichertes Einkommen verfügen, gezielt Unterstützung: Dier Verpflichtung zur Rückzahlung entfällt. Diese Methode hat isch als effektiver als andere erwiesen.

Was bisher geschah und die Kooperation mit Chancen e.G.

Früh begannen wir versuchsweise und ohne starre Vereinbarungen Stipendien an aussichtsreiche Kandidat*innen in Ruanda zu vergeben. Die Rückzahlung nach Studienabschluss war dabei eine Option, jedoch nie ein fest geplanter Teil der Förderung. Uns war bewusst, dass das riesige Potential des „echten“ UGV genutzt werden musste. Die Vorbereitungen würden viel Zeit und Ressourcen kosten.

Die konzeptionelle Vorbereitung einer möglichen Anwendung des UGVs auf ein Projektland von L’appel fand im Jahr 2014 durch eine dreiköpfige Forschungsgruppe statt. Für eine standfeste Einschätzung der Machbarkeit benötigten wir jedoch die Expertise der Studierendengesellschaft der UWH. Diese stießen nach ihrer Gründung 2015 endlich zu uns und die Planung einer wissenschaftlich begleiteten Machbarkeitsstudie konnte beginnen. Der Lehrstuhl für Entwicklungsökonomie der UWH schloss sich der Studie an.

Mit der GLS Bank als starker Finanzpartner und der Studiengesellschaft mit ihrer über 20 Jährigen Erfahrung, kann der UGV heute an einer Reihe von Hochschulen und Universitäten außerhalb der Uni Witten/Herdecke angeboten werden. Wir beschlossen die offizielle Zusammenarbeit 2016: L’appel wurde Gründungsmitglied der Chancen e.G.. Gemeinsam werden wir den UGV in die Welt tragen.

Was in der Zukunft ansteht

Eine weitere umfassende Machbarkeitsstudie wird 2017 durchgeführt werden. Sie soll zeigen, ob, wie, wann, wie groß und mit welcher Strategie der UGV umgesetzt werden kann. Dabei wird Ruanda mit Südafrika als „Kontroll-Land“ verglichen werden. Die Ergebnisse erwarten wir im September 2017.

Die Kooperation aus L’appel, Chancen e.G., Forschenden und dem Lehrstuhl für Entwicklungsökonomie der UWH wird für die Studie verantwortlich sein.

Sollte die Studie positive Ergebnisse hervorbringen, werden wir bereits im Herbst 2017 mit Fundraising und Sponsorensuche für das Pilot-Projekt beginnen.

Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir mit rund 100 Stipendiat*innen pro Semester beginnen. Wir möchten die tatsächliche, nachhaltige Belastbarkeit des überarbeiteten Modells unter Beweis stellen.